Unter Mitarbeit von Mirjam Neebe

Im Jahr 2015 kamen fast eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Viele von ihnen wurden in Dörfern und Städtchen untergebracht, in der Annahme, dass die Integration außerhalb der Großstädte einfacher ist. Nun, nach fünf Jahren scheinen die Geflüchteten in Vergessenheit zu geraten. Seit 2016 kommen allgemein weniger und weniger Menschen nach Europa und Deutschland und die nationale Politik beschäftigt sich kaum noch mit ihnen. Vielleicht geht man davon aus, dass die Geflüchteten inzwischen so gut wie integriert sind. Im Straßenbild sieht man tatsächlich regelmäßig positive Beispiele: Man denke an die vielen arabischen Friseure, Geschäfte und Restaurants. Seit einem Jahr ist die Welt darüber hinaus besessen von Corona, was ein weiterer Grund dafür sein könnte, warum die Geflüchteten langsam aus dem kollektiven Bewusstsein verschwinden.

In diesem Artikel zoomen wir auf die Situation in einem repräsentativen Wohnort südlich von Berlin, die ein weniger rosiges Bild der Integration zeigt. Aus größerer Entfernung betrachtet sind die Flüchtlinge auch hier kein Thema mehr: Es gibt keine Spannungen in und mit der Bevölkerung, die Kinder gehen zur Schule, die Menschen wissen, wo sie einkaufen können, wie man Müll trennt und können Fahrrad fahren. Gleichzeitig haben die meisten von ihnen keine Arbeit, sie leben immer noch in Containern, die eigentlich als Provisorium gedacht waren, ihre Kenntnisse der deutschen Sprache sind noch sehr begrenzt und die Motivation, das eigene Leben aktiv zu gestalten, scheint gering zu sein bzw. zu werden. Viele scheinen jegliche Orientierung verloren zu haben. Die derzeitige Situation kann noch viele Jahre andauern. Es entwickelt sich langsam eine Kultur der Armut, die auch an die betroffenen Kinder weitergegeben wird.

Im Folgenden soll zunächst kurz auf die Herausforderungen und Chancen eingegangen werden, die sich aus der Unterbringung von Flüchtlingen in kleineren Orten ergeben. Dann zoomen wir an ein kleines Wohngebiet in Brandenburg heran. Wir werden uns mit den Problemen in verschiedenen Bereichen befassen: Beherrschung der deutschen Sprache, Integration in den Arbeitsmarkt, Unterbringung, Betreuung und Erziehung der Kinder, die Situation der Frauen sowie die Lage der ursprünglich vielen Ehrenamtlichen, die sich um die Integration bemüht haben, und der beteiligten Verwaltungsstellen. Abschließend werden wir fragen, was wir unter Integration verstehen, inwieweit sie als gelungen betrachtet werden kann und was getan werden kann, um sie weiter zu fördern.

1 Integration auf dem Lande

Im Sommer 2020 lebten in Deutschland etwa 1,3 Millionen Flüchtlinge mit einem geschützten Status und eine weitere halbe Million Menschen warteten auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag, über ihre Abschiebung oder waren so genannte “Geduldete”.[1]  Es gibt momentan etwa eine viertel Million Menschen in Deutschland die „geduldet“ werden. Eine gleiche Anzahl ist ausreisepflichtig. Darüber hinaus gibt es 50 Dutzend Leute die in im Asylverfahren sind. Ein solches Verfahren kann insgesamt, inklusiv Klagen gegen Entscheidungen etwa drei Jahre dauern. Gegen etwa die Hälfte der Entscheidungen wird geklagt.[2] In Brandenburg lebten im Jahr 2020 nach Kenntnis der Behörden etwa 38.000 Menschen, die formal als Flüchtlinge anerkannt waren, auf eine Entscheidung warteten oder “geduldet” waren. Die meisten Menschen kamen aus Syrien (ca. 45%), Afghanistan (20%) und der Russischen Föderation (25%) (Land Brandenburg 2020).

Die Ankunft von so vielen Neuankömmlingen schafft sowohl Probleme als auch Chancen. Wie zahlreiche andere Europäer fürchtet auch ein erheblicher Teil der Deutschen, dass viele Flüchtlinge grundlegende westliche Ansichten und Werte nicht teilen. Viele befürchten, dass aufgrund der unterschiedlichen Weltanschauungen die Integration scheitert, “Parallelgesellschaften” entstehen und eine religiöse und politische Radikalisierung zunimmt. In einigen Fällen ist dieser Prozess tatsächlich zu beobachten, insbesondere dann, wenn die Integration fehlschlägt und die Menschen sich nicht respektiert, nicht sicher und ohne Perspektive fühlen. Aber auch die Angst vor Zuwanderern führt bei einigen Deutschen und anderen Europäern zu einer Radikalisierung, die Diskriminierung, Intoleranz, Gewalt und die Unterstützung des Rechtspopulismus begünstigt. Beide Radikalisierungstendenzen nähren sich gegenseitig, beide schaffen eine Atmosphäre der Angst und Intoleranz und gefährden die zivile Gesellschaft und die Demokratie in ganz Europa.

Flüchtlinge und Migranten bilden auch Chancen (cf. Blokland 2017). Grundsätzlich kann Migration zu einer Erhöhung des Lebensstandards führen, nicht nur für die Migranten und ihre Angehörigen in den Ländern, die sie verlassen haben, sondern auch für das Aufnahmeland (Mallaby 2015; OECD 2014a). Flüchtlinge und Migranten können auch ein positiver Faktor für Nationen mit schrumpfender und alternder Bevölkerung sowie für ländliche Regionen sein, die durch Abwanderung und Urbanisierung ihre Einwohner und Vitalität verlieren. Dies ist sicherlich für viele Gebiete in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik der Fall.

Die Erfahrung lehrt uns jedoch, dass Flüchtlinge und Migranten, die die Erlaubnis erhalten haben, ihren Wohnsitz selbst zu wählen, oft das Land verlassen, wo ihnen ursprünglich von den Regierungen Schutz geboten wurde, und in die Städte ziehen. Hier geht es ihnen nicht anders als vielen Einheimischen. In den Städten finden sie leichter Arbeit, zum Teil aufgrund besser etablierter lokaler Netzwerke von Migranten, die Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche bieten können. Städte sind auch kosmopolitischer und aufgeschlossener, und sofern dies nicht der Fall ist, bieten sie Anonymität.

Im Durchschnitt haben in deutschen Städten mit weniger als 20.000 Einwohnern 12 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern liegt dieser Anteil bei 27 Prozent. Je mehr Migranten hinzukommen, desto größer wird dieser Unterschied, da die Migranten tendenziell dorthin gehen, wo sie mehr Menschen mit demselben Hintergrund finden (Bittner 2016). Damit wächst die Chance, dass sich “Parallel-Communities” entwickeln: Je größer die Migranten-Communities sind, desto geringer ist das Bedürfnis, mit deutschen Einheimischen in Kontakt zu kommen. Ebenso halten es die hochgebildeten “Expats”, die in den Innenstädten von Berlin, Prag oder Amsterdam leben, nicht immer für notwendig, die lokale Sprache zu lernen und sich in die lokale Gemeinschaft zu integrieren.

Die “zweite Flucht” in die Stadt hat weitere Schattenseiten. Auf dem Land sind Dörfer und Städte zunehmend unbewohnt und könnten eine Belebung durch junge, tatkräftige Menschen, vor allem solche mit Familien, gebrauchen. Außerdem verläuft die Integration in kleineren Gemeinden oft reibungsloser als in anonymen Städten, wo sich leichter Parallelgemeinschaften bilden und halten lassen (Jentsch 2007). Bittner (2016b) schreibt: “Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Genauso braucht es ein Dorf, braucht es die Unmittelbarkeit von sich kümmernden und anleitenden Menschen, braucht es gelegentlich auch die klare Aussprache und den direkten Konflikt, um Fremde in einer neuen Gemeinschaft hineinwachsen” (cf. Aumüller und Gesemann 2016). In kleineren Städten stehen oft mehr zivilgesellschaftliche Ehrenamtliche zur Verfügung, um Neuankömmlingen bei der Integration zu helfen, und der soziale Zusammenhalt ist größer.

Aus all diesen Gründen versucht die deutsche Regierung mit einer Vielzahl von Maßnahmen, eine erhebliche Anzahl von Flüchtlingen in Dörfern und kleineren Städten anzusiedeln.

2 Ein Beispiel aus Brandenburg

2016 kamen die ersten Geflüchteten an den Ort, den wir hier heranzoomen. Es handelt sich um eine relativ wohlhabende Ortschaft mit etwa 11 Tausend Einwohnern dreißig Kilometer südlich von Berlin. Anfangs kamen die Menschen aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan und Tschetschenien, nachher auch aus verschiedenen afrikanischen Ländern. Die meisten Geflüchteten leben in zwei Containerdörfern, die es seit 5 Jahren gibt und die offiziell als Übergangswohnheim bezeichnet werden. 2021 laufen die Baugenehmigungen dafür aus.

Es werden keine systematischen Informationen über die Bewohner gesammelt. Es hat viel Mühe gekostet, einige Daten zusammen zu tragen. Insgesamt leben zurzeit 70 Erwachsene und 41 Kinder in den Containern. Es sind 41 Männer und 29 Frauen. 31 Männer und sechs Frauen sind alleinstehend und haben keine Kinder. Von den übrigen dreizehn alleinstehenden Frauen haben acht ein Kind, drei haben zwei Kinder und zwei haben drei Kinder. Außerdem gibt es zehn Familien mit einem bis vier Kindern. Von den insgesamt 41 Kindern sind 29 unter 6 Jahren.

21 der 70 Erwachsenen haben eine Aufenthaltsgenehmigung. Alle anderen warten auf eine Entscheidung über ihren Status, oder werden geduldet. Die meisten der Menschen sind schon seit mehr als drei Jahren in den Unterkünften. Die meisten Bewohner kommen aus Afghanistan (26), gefolgt von Kamerun (14), Kenia (11), Tschetschenien (9), Nigeria (7), Syrien (6), Libanon/Palästina (6), Eritrea (5), Pakistan (5), Irak (4), Somalia (3), Vietnam (3), Ukraine (3), Tschad (1) und Jordanien (1). Es versteht sich von selbst, dass das Zusammenleben von 16 verschiedenen Nationalitäten in verbundenen Containern, in denen Toiletten, Bäder und Küchen geteilt werden, eine Herausforderung ist. Die Unterstützung für dieses erzwungene Zusammenleben ist minimal: Jedes der beiden Containerdörfer hat nur einen Sozialarbeiter und einen Wachmann. Die beteiligten Personen sind relativ allein, niemand denkt mit oder schaut ihnen über die Schulter. Auch sind die Bewohner fast ausschließlich von nur einem Ansprechpartner abhängig, was fast zwangsläufig zu ungewollten Abhängigkeiten und Einseitigkeiten führt.

Wir kamen ursprünglich mit dieser Gemeinde in Kontakt, um deliberative Integrationsworkshops durchzuführen. In diesen Workshops diskutieren wir grundlegende Werte und Themen wie Freiheit, Emanzipation, Demokratie, Pluralismus, Identität, Diskriminierung und Gleichberechtigung (Siehe Blokland 2017). Nachdem wir einige Zeit in den Übergangsheimen verbracht und mit verschiedenen Akteuren gesprochen hatten, bekamen wir den Eindruck, dass die Integration in eine Sackgasse geraten war. Viele Teilnehmer lebten schon seit Jahren in den Containern, hatten keine Arbeit, sprachen kaum Deutsch und wirkten lethargisch und desorientiert. Die Frauen sprachen über Stress und Anspannung. Auch bei den Freiwilligen und den verschiedenen zivilgesellschaftlichen und staatlichen Organisationen schien eine gewisse Orientierungslosigkeit zu herrschen. Auf die anfängliche Euphorie und sehr große Hilfsbereitschaft folgten Enttäuschungen, Frustrationen und Konflikte.

Vor diesem Hintergrund führte Social Science Works eine Situationsanalyse zur Lage der Geflüchteten und zum Status quo der Flüchtlingshilfe in dieser Ortschaft durch. Ziel der Untersuchung war es, einen Überblick über die Problemlagen vor Ort aus verschiedenen Perspektiven zu generieren.

Im Januar und Februar 2021 befragten wir circa ein Dutzend Akteure aus den Bereichen Verwaltung, Wohlfahrt und Ehrenamt sowie ein Dutzend Geflüchtete. Zentrale Fragen waren: Wie schätzen die relevanten Akteure die derzeitige Situation der Geflüchteten ein? Welche Probleme werden von den Akteuren wahrgenommen? Welche Problemlösungen sehen die Akteure? Welche Perspektiven sehen die Akteure für die Zukunft der Geflüchteten? Wie wird sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln, wenn die politischen Rahmenbedingungen unverändert bleiben?

Die so gewonnenen Informationen gliederten wir in verschiedene Problembereiche: Beherrschung der deutschen Sprache, Integration in den Arbeitsmarkt, Wohnen, Kinder und Schule, Probleme der Frauen und soziale Orientierung.

2.1 Sprachkenntnisse

Das Erlernen der Sprache ist eine zentrale Voraussetzung für die Integration. Die OECD berichtet: “Die Kenntnis der Sprache des Aufnahmelandes ist ein Schlüsselfaktor für die Geschwindigkeit und den Erfolg der Integration – sowohl wirtschaftlich als auch sozial. Sprachkenntnisse sind eine wesentliche Voraussetzung für die Fähigkeit der im Ausland Geborenen, Netzwerke mit der einheimischen Bevölkerung zu bilden und einen Arbeitsplatz zu suchen. Und da sowohl Netzwerke als auch die Arbeitssuche wichtige Wege sind, um weitere Sprachkenntnisse aufzubauen, können schlechte Kenntnisse der Sprache des Gastlandes einen Teufelskreis auslösen” (2014b: 7).

Die Deutschkenntnisse vieler erwachsener Geflüchteter in diesem Ort lassen sehr zu wünschen übrig, auch wenn sie schon seit vielen Jahren in Deutschland leben. Wobei die Sprachkompetenz wenig mit der Anzahl der Jahre zu tun hat, die jemand hier ist. Manche lernen die Sprache sehr schnell, andere machen über einen längeren Zeitraum überhaupt keine Fortschritte oder versuchen teilweise gar nicht, die Sprache zu lernen. Die Nationalität spielt dabei keine Rolle. Ausschlaggebend sind vielmehr die Vorbildung der Menschen, ihr Alter, ihre Sprachbegabung und natürlich ihre Motivation, welche wiederum von Faktoren wie Stress, Trauma, Frustrationstoleranz usw. bestimmt wird.

Nicht alle Asylbewerber*innen erhalten Zugang zu den durch das BAMF geförderten Sprachkursen. Doch auch unabhängig davon ist es für die Geflüchteten derzeit sehr schwierig, Sprachkurse zu finden: es gibt kaum erreichbares Angebot, oder die Kurse pausieren wegen die Corona Eindämmungsmaßnahmen.

Die Teilnahme am Arbeitsmarkt ist oft ein geeignetes Mittel zum Erwerb von Sprachkenntnissen. Die meisten Frauen arbeiten jedoch nicht. Auf die Gründe dafür gehen wir weiter unten noch detaillierter ein. Die Männer arbeiten soweit sie Arbeit haben vorwiegend in einem Umfeld, in dem kein Deutsch gesprochen wird. In den Logistikunternehmen im Berliner Umland, in denen die meisten von ihnen tätig sind, kommen nach Angaben des Jobcenters 80 Prozent der Mitarbeitenden aus dem Ausland, vor allem aus Polen. Die Arbeitsgruppen werden hier teilweise sogar nach Herkunftsländern eingeteilt, was die Wahrscheinlichkeit von Kontakten mit der deutschen Sprache weiter reduziert.

2.2 Bildungsstatus

Über den Bildungsstatus und die mögliche formelle Berufsbildung der Geflüchteten ist wenig bekannt. Ein Sozialarbeiter schrieb uns: „Über die Bildungshintergrund der Leute weiß ich so gut, wie gar nichts. Diese Daten habe ich niemals erhoben… Es ist mir auch kein Fall bekannt, der eine Ausbildung in Deutschland macht oder abgeschlossen hat. Es ist davon auszugehen, dass die Menschen in ihren Herkunftsländern irgendeinem Gelderwerb nachgegangen sind – wovon hätten sie sonst gelebt?“

Die Geflüchteten, mit denen wir sprechen konnten (die Menschen also die man erreichen kann), äußerten einstimmig, dass Sie arbeiten und ihr eigenes Einkommen verdienen wollen. Um dies zu ermöglichen, wollen sie (besser) Deutsch lernen. Die Möglichkeiten, dies strukturiert zu tun, sind jedoch, wie gesagt, sehr begrenzt. Die Menschen sehen keine Perspektiven in einer langfristigen beruflichen Weiterbildung: Sie wollen so schnell wie möglich ein Einkommen erzielen und unabhängig werden. Die für uns gängige Logik, dass eine Ausbildung eine Investition in die Zukunft ist, lässt sich den Geflüchteten häufig schwer vermitteln. Und faktisch ist es leider auch so, dass viele die Prüfungen in der Berufsschule nicht bestehen, da ihre Sprachkenntnisse dem Fachvokabular nicht gewachsen sind und für die teilweise geringe Schulbildung auch die inhaltlichen Themen zu anspruchsvoll sind.

Keiner der zwölf Befragten hatte einen Beruf erlernt oder eine Berufsausbildung absolviert. Sie wollen sich in Deutschland ein besseres Leben aufbauen, als es im Herkunftsland möglich ist. Wenn die Kinder oder der Ehepartner noch im Heimatland sind, wollen sie diese nach Deutschland holen. Auf die Frage, welche Arbeit sie gerne machen würden (und können), nannten alle die Reinigungsbranche. Eine Person aus Palästina und eine aus Kenia möchten in der Altenpflege arbeiten. Ein Mann aus Pakistan (der eine Frau und vier Kinder in Pakistan hat) tut dies teilweise schon. Er geht mit den älteren Menschen spazieren, hilft ihnen beim Einkaufen und gibt auch Massagen. Er ist seit fünf Jahren in Deutschland und wird geduldet.

Allgemein ist es so, dass viele der Geflüchteten aus Syrien relativ gebildet sind und im Anschluss an die Sprachkurse mehr oder weniger zügig vom Jobcenter in Ausbildung, Umschulung und Fortbildung gebracht wurden. Insbesondere alleinreisenden Männer seien sehr motiviert. Schwieriger ist es bei Familien mit vielen Kindern, weil die Väter bei der Kinderversorgung mithelfen müssen, und bei den Frauen, die nach traditionellem Rollenverständnis nicht arbeiten.

Viele der Geflüchteten sind aber nur einige wenige Jahre zur Schule gegangen. Dies ist z.B. bei Geflüchteten aus Afghanistan und vielen afrikanischen Ländern der Fall.[3] In den Heimatländern waren viele im informellen Sektor tätig. Geflüchtete mit einer schlechten Bleibeperspektive können über eine berufliche Tätigkeit versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen, also eigenes Geld zu verdienen und sich eine Wohnung zu suchen. Wenn die Menschen jedoch weder über eine gute Bleibeperspektive noch über eine gute Qualifikation und somit gute Chancen auf einen Arbeitslatz verfügen, ist die Integration am schwierigsten. Die sind auch die Menschen, die meist nach Jahren noch immer in Übergangsheimen wohnen.

Es ist die Aufgabe des Jobcenters, Informationen über Qualifikationen und Kompetenzen zu sammeln, aber dies geschieht nur bei Geflüchteten mit guter Bleibeperspektive bzw. nach Abschluss des Asylverfahrens. Menschen mit laufendem Asylverfahren oder Duldung können sich bei der Agentur für Arbeit melden, wo auch eine Beratung angeboten werden kann, wenn die Ausländerbehörde signalisiert, dass sich der Asylstatus zügig klären wird. Alle übrigen Migranten werden vom Sozialamt betreut. Sie bekommen also keine Beratung und es werden auch keine Informationen über ihre Qualifikationen gesammelt. Auch aus datenschutzrechtlichen Gründen konnte uns das Jobcenter keine Auskunft über die Qualifikationen und Kompetenzen der Menschen geben, aber generell gilt, dass diese begrenzt sind.

2.3 Integration in den Arbeitsmarkt

Die Integration von Neuankömmlingen in den Arbeitsmarkt ist ein sehr langer Prozess. Untersuchungen zeigen zum Beispiel, dass nur 65 Prozent der Geflüchteten, die in den Jahren 1997-9 in Schweden ankamen, zehn Jahre später einen Job hatten (Robinson und Käppeli 2018). Ein wichtiges Problem ist, dass viele Geflüchtete und Migranten vergleichsweise gering qualifiziert sind und sich in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland in einem relativ kleinen Segment des Arbeitsmarktes behaupten müssen (Dustmann 2016: 25-8).

Wie erwähnt, gibt es in dieser Kleinstadt zwei Übergangswohnheime. Im ersten Heim leben neun Frauen, von denen keine arbeitet. Eine von ihnen, eine Krankenschwester aus Eritrea, möchte sehr gerne arbeiten, darf es aber nicht, weil ihre Qualifikationen nicht anerkannt werden und ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichen. Da ihr Kind keinen Kitaplatz hat, sind auch Umschulung und Weiterbildung fraglich.

Von den 33 Männern in diesem Heim haben 12 Arbeit, vor allem in der Logistikbranche. Da die meisten von ihnen keine Berufsausbildung haben, gibt es keine weiteren beruflichen Perspektiven. Etwa ein Dutzend der Männer will nicht (mehr) arbeiten und befindet sich in einem Vakuum des Müßiggangs. Verschiedene Bewohner trinken und nehmen Drogen. Drei sind nicht mehr ansprechbar und auch kriminell unterwegs, um ihren eigenen Drogenkonsum zu finanzieren. Niemand fühlt sich für diese Gruppe verantwortlich. 38 Bewohner*innen dieses Heimes beziehen Asylbewerberleistungen und 20 Bewohner*innen sind im SGB II Bezug (sofern sie nicht arbeiten), also beim Jobcenter gemeldet.

In dem zweiten Übergangsheim leben acht Männer und 21 Frauen. Zwei Männer und drei Frauen sind in Beschäftigung. Ein Mann arbeitet in einer Großküche als Hilfe. Ein weiterer Mann ist beschäftigt in einem Handyladen in Berlin. Eine Frau arbeitet in der Pflege, zwei Frauen als Reinigungskraft. Die Männer, die eine Familie haben, arbeiten nicht. Es gibt keine Informationen über ihren Bildungsstatus und eventuelle berufliche Qualifikationen.

Recht auf Arbeit

Es wird oft angenommen, dass Geflüchtete nicht arbeiten dürfen. Dies ist aber nur selten der Fall. Asylbewerber und Geduldete benötigen grundsätzlich eine Arbeitserlaubnis, die durch die örtliche Ausländerbehörde erteilt wird. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) muss der Beschäftigung in der Regel zustimmen.

Asylbewerber mit minderjährigen Kindern haben nach sechs Monaten einen Arbeitsmarktzugang. Im Übrigen kann Asylbewerberinnen und Asylbewerber drei Monate nach Asylantragstellung die Aufnahme einer Beschäftigung erlaubt werden (ausgenommen sind Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten). Wird der Asylantrag abgelehnt, aber eine Duldung erteilt, kann mit Erlaubnis der Ausländerbehörde nach sechs Monaten Aufenthalt eine Beschäftigung aufgenommen werden.[4] Die Arbeitserlaubnis kann verweigert werden, wenn die Geduldeten der sogenannten Mitwirkungspflicht nicht nachkommen, zum Beispiel bei der Beschaffung ihrer Identitätsdokumente.

Enttäuschung

Mehrere Beteiligte haben ihre Enttäuschung und manchmal auch Verärgerung über die mangelnde Bereitschaft einiger Bewohner geäußert, Arbeit anzunehmen oder sich wirklich anzustrengen, um eine Arbeit erfolgreich auszuüben. Hier gibt es mehrere Probleme.

  1. Die meisten Bewohnern verfügen über keine Qualifikationen, die es ihnen ermöglichen würden, Arbeitsplätze mit wirklich attraktiven Arbeitsbedingungen und Entlohnungen zu finden. Die Menschen arbeiten ausschließlich am unteren Ende des Arbeitsmarktes, d.h. mit prekären Arbeitsverträgen und ohne viele Möglichkeiten der vertikalen Mobilität.
  2. Damit zusammenhängend ist das Einkommen so niedrig und die Abgaben so hoch, dass sich die Erwerbsarbeit im Verhältnis zum ALGII (Arbeitslosengeld II oder Harz IV) kurzfristig nicht lohnt. „Wer gibt sich schon eine knallharte 40-Stundenwoche für 150€ mehr? Selbst diese sind ganz schnell wieder weg, wenn die ganzen Vergünstigungen wegfallen.“ Langfristig gesehen wäre eine bezahlte Arbeit dennoch attraktiver, wenn die Arbeit als eine Investition in die Zukunft angesehen würde. Denn nach einiger Zeit kann vertikale Mobilität mit besseren Arbeitsbedingungen und Belohnungen erreicht werden. Diese Logik ist bei vielen Geflüchteten jedoch schwer vermittelbar. Hinzu kommt, dass diese Zukunftsperspektive nicht sicher ist, wenn es sich um prekäre Arbeitsverhältnisse handelt.
  3. Nach einer langen Phase der Untätigkeit und Unklarheit entsteht eine “Armutskultur” der zerbrochenen Hoffnung, der ständig wachsenden Enttäuschung, der Resignation, der Lethargie und Apathie. Mit der Zeit wird es immer schwieriger, die Beteiligten zu aktivieren. Dies ist kein Phänomen, das ausschließlich bei (spezifischen Gruppen von) Migranten oder Geflüchteten beobachtet werden kann. Arbeitslose, arbeitsunfähige Personen und andere Menschen, die nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, sind Opfer des gleichen Trends, wie in der soziologischen Literatur allgemein bekannt ist. Dies wurde uns auch von den Mitarbeiterinnen des Jobcenters bestätigt. Sie beobachten, dass vor allem Alleinreisende und Frauen psychische Probleme bekommen. Gründe sind das Scheitern im Sprachkurs, dass die Menschen nicht in den Beruf kommen, den sie sich wünschen, der Druck der Familien zu Hause und – vor allem bei den Frauen – die Vereinsamung zu Hause. Im schlimmsten Fall führt die ständige Frustration zu einer Radikalisierung, bei der sich die Betroffenen in oft neu geschaffene Identitäten zurückziehen, auf deren Basis sie sich gegen die Gesellschaft abgrenzen. Nach Einschätzung der beteiligten Sozialarbeiter kann dieser Prozess bisher nicht beobachtet werden. Bei einer großen Minderheit überwiegt die Resignation. In einigen Fällen handelt es sich jedoch um “Systemsprenger”, die sich in keiner Weise mehr an bestehende Vorschriften und Institutionen halten.
  4. Einige Menschen haben ein mangelndes Verständnis für ihre Situation sowie ihre eigene Verantwortung für die Gestaltung ihres Lebens. In den ersten Jahren gab es auch keine klaren Signale für diese Eigenverantwortung. Die Umgebung aus professionellen und ehrenamtlichen Helfern übernahm die Aufnahme und Versorgung, stellte aber kaum Bedingungen oder Forderungen. Eine Auseinandersetzung über solche Erwartungen wurde und wird aus Angst vor Konflikten und Kritik vermieden. Dadurch ist ein Leerraum, eine Kultur der Unverbindlichkeit, entstanden. Unsere eigenen Erfahrungen mit den durch uns angebotenen Workshops verdeutlichen dies: Viele Menschen scheinen sich überhaupt nicht verpflichtet zu fühlen, an den Workshops teilzunehmen, auch dann nicht, wenn sie eine persönliche Einladung des Bürgermeisters erhalten haben, auch dann nicht, wenn der nächste Termin in enger Absprache und gegenseitigem Einvernehmen vereinbart worden ist. Dass wir uns auf den Workshop vorbereiten und eine Stunde lang auf dem Weg sind, scheint vielen völlig zu entgehen oder einfach nur Wurst zu sein.
  5. Auch das Asylsystem zeichnet sich dadurch aus, dass den Menschen, solange sie sich im Asylverfahren befinden, keinerlei Druck gemacht wird, Schritte in Richtung Arbeitsaufnahme oder Spracherwerb zu gehen. Hier ist eine sehr hohe intrinsische Motivation gefordert. Zudem türmen sich dann oftmals schier unüberwindbare administrative Hürden auf, die nur mit sehr viel Hilfestellung genommen werden können. Ein klarer Integrationsplan, der auf den persönlichen Hintergrund der Betroffenen zugeschnitten ist, wird eigentlich nie erstellt.[5]

2.4 Unterbringung und Wohnen

Etwa acht Familien wohnen in diesem Ort mittlerweile in eigenen Wohnungen. Genauere Informationen über diese Gruppe waren nicht zugänglich. Wenn die Familien die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen, bricht der Kontakt zu den Sozialarbeitern meistens ab. Eine individuelle Unterstützung und Beratung wird dann schwieriger und findet bestenfalls über Wohlfahrtsverbände oder Ehrenamtliche statt. Da diese Institutionen – wie auch die meisten Gemeinschaftsunterkünfte – keine systematischen Daten erfassen, ist es schwierig, den Integrationsprozess zielgerichtet zu begleiten und zwischen den verschiedenen Akteuren dementsprechend zu koordinieren.

Die meisten Geflüchteten leben in zwei Containerdörfern, die es seit 5 Jahren gibt und die offiziell als Übergangswohnheim bezeichnet werden. Die Bewohner*innen können in 2-Bettzimmern untergebracht werden. Bei Familien können zwei dieser Zimmer durch eine Mitteltür verbunden werden. Die Entscheidung für Container wurde getroffen als – wie in vielen anderen deutschen Kommunen auch – innerhalb kürzester Zeit Wohnraum für die ankommenden Geflüchteten geschaffen werden musste.

Es versteht sich von selbst, dass die Container nicht in das Bild passen, das die Menschen in Deutschland von akzeptablem, menschenwürdigem Wohnraum haben. Eigentlich sind sie als Übergangslösung gedacht. Nach Beendigung des Asylverfahrens – unter bestimmten Voraussetzungen auch schon früher – wird die Wohnpflicht in Gemeinschaftsunterkünften aufgehoben. Die Geflüchteten werden dann aufgefordert, sich privaten Wohnraum zu suchen, und bei dieser Suche auch unterstützt. Tatsächlich sind die Asylverfahren in manchen Fällen jedoch so langwierig, dass die Betroffenen über Jahre in den Sammelunterkünften leben müssen.

Doch auch nach einem abgeschlossenen Asylverfahren sind die Aussichten auf eigenen Wohnraum häufig schlecht. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in vielen deutschen Gemeinden ist kein Geheimnis. So ist auch die Chance auf einen Umzug innerhalb von diesem Wohnort äußerst gering, wie fast alle Beteiligten einräumen. Der Kleinstadt gehört zum Speckgürtel von Berlin. Normalverdiener können sich hier kaum Häuser oder Wohnungen leisten, die Geflüchtete schon gar nicht. Es gibt ein Vorhaben für den Bau von Sozialwohnungen, aber das betrifft nicht mehr als 15 Einheiten. Selbst wenn alle diese Wohnungen den Geflüchteten zugewiesen würden, was sozial und politisch jedoch unerwünscht erscheint, wäre das Problem nicht gelöst. So dass einige Geflüchtete noch immer im Übergangswohnheim wohnen obwohl sie seit Jahren in einer eigenen Wohnung wohnen könnten.

Es ist offensichtlich, dass die Mehrheit der Geflüchteten umziehen muss, wenn die derzeitige Situation nicht fortbestehen soll. Eine dauerhafte Unterbringung in Sammelunterkünften ist für die Integration nicht förderlich, da sie die Autonomie der Geflüchteten und die Teilhabe an der Ankunftsgesellschaft einschränkt. Die räumliche Enge, fehlende Privatsphäre und reduzierte Infrastruktur führen in den Unterkünften zu Konflikten, auch zwischen den verschiedenen Nationalitäten und Religionen. Die Container seien ungemütlich und dort würde es im Sommer bis zu 37 Grad warm. Unter diesen Lebensumständen erfahren traumatisierte Menschen teilweise eine Re-Traumatisierung, was die Wahrscheinlichkeit weiter verringert, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Die Geflüchteten wünschen sich eine eigene Wohnung, haben aber keine konkreten Vorstellungen, wie sie diesen Wunsch realisieren können. Viele möchten in diesem Ort bleiben oder würden gerne nach Berlin gehen, aber selbst Berlin ist für die meisten einfach nicht bezahlbar. Auch politisch scheint diese “zweite Flucht” nicht erwünscht zu sein, denn es spricht vieles dafür, dass die Chancen für eine erfolgreiche Integration im ländlichen Raum deutlich höher sind.

Je weiter man von Berlin wegfährt, desto mehr bezahlbarer Wohnraum wird verfügbar. In den betroffenen Dörfern und Städten, die viele Menschen seit 1989 verlassen haben, sind Wohnungen vorhanden, die den Geflüchteten auch angeboten werden. Allerdings wollen die Betroffenen oft nicht dorthin ziehen, da sie – wohl zu Recht – den Eindruck haben, dass sie dort weniger willkommen sind als in ihrem derzeitigen Zuhause. Außerdem haben sie Angst, an diesen Orten aufgrund der fehlenden Infrastruktur isoliert zu werden. Wenn Sie z.B. eine Arbeit haben (oft in den Logistikunternehmen südlich von Berlin), ist es sehr schwierig, ihren Arbeitsplatz von diesen Orten aus zu erreichen. Schließlich sind die Geflüchteten derzeit einigermaßen integriert, was sie nicht aufgeben möchten. Dies ist vor allem der Fall, wenn ihre Kinder zur Schule gehen.

Die Unterbringungssituation der Geflüchteten in diesem Wohnort ist damit zu einer Sackgasse geworden. Nur durch drastische Maßnahmen und einen starken politischen Willen kann diese Sackgasse verlassen werden.

2.5 Bildung und Betreuung der Kinder

In der Grundschule werden derzeit drei Schüler*innen beschult. Nach Information der Direktorin gibt es keine nennenswerten Probleme. Augenblicklich ist lediglich das Homeschooling prekär, weshalb die Kinder in der Notbetreuung (das heißt in der Schule anwesend) sind, um sie überhaupt zu erreichen. Einmal wöchentlich kommt ein Sozialarbeiter vom Internationale Bund, um mit Lehrenden, Schülern und Eltern zu arbeiten.

Es gibt in den zwei Containerdörfer insgesamt 29 Kinder zwischen 0 und 6 Jahre. Jedes Kind in Deutschland hat einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kita, unabhängig vom Status der Eltern oder der Umzugspläne der Behörden. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund ist der Kitabesuch von großer Bedeutung. Dort lernen sie Deutsch, haben Kontakt mit anderen Kindern, lernen die hiesigen Gepflogenheiten kennen, erleben einen strukturierten Tagesablauf und können der Tristesse der Sammelunterkunft entfliehen. Darüber hinaus ist es essentiell, dass die Kinder die Kita besuchen können um den Frauen im Prinzip die Möglichkeit zu geben, Deutsch zu lernen, ein Beruf auszuüben oder überhaupt am öffentlichen Leben teilzunehmen.

In den Kitas in kommunaler Trägerschaft gibt es derzeit acht Kinder. Auch hier scheint es so zu sein, dass es keine Probleme gibt – zumindest keine, die bekannt sind. Neben den kommunalen Kitas gibt es noch private Kitas die aktuell durch drei Kinder besucht werden. Nur 11 von 29 Kindern besuchen also tagsüber eine pädagogische Einrichtung.

Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Die wichtigste ist, dass durch Personalmangel die Anzahl an Plätzen in den Kitas begrenzt ist. Eine Kita mit vorhandenen Plätzen ist nicht fußläufig erreichbar. Die beteiligten Institutionen finden es außerdem fragwürdig, die Kinder in eine Kita zu integrieren, wenn die Mütter kurz davorstehen, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen und aus der Unterkunft ausziehen zu müssen. Eine Wohnung findet sich in den wenigsten Fällen in diesem Ort. So mache es mehr Sinn, die Kinder im neunen Lebensmittelpunkt zu integrieren.

Gleichzeitig gibt es sehr viele Geflüchtete, die schon mindestens seit 2018 vor Ort sind. Ob und wann sie eine Aufenthaltserlaubnis bekommen, wird als ein Lotteriespiel wahrgenommen.[6] Angesichts dieser Unbestimmtheit erscheint es von großer Bedeutung für die Integration und das Wohl der Kinder, einen Kitaplatz zu sichern. Passiert dies nicht dann entwickelt sich schon jetzt einer weiteren Generation von Bildungsverlierern.

2.6 Die besondere Situation der Frauen

Die Emanzipation von Mann und Frau in Deutschland lässt noch immer zu wünschen übrig. Männer und Frauen sind in vielen gesellschaftlichen Positionen unter- oder überrepräsentiert, sie werden aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert, und sexistische Rollenbilder bestimmen oft noch in hohem Maße das Denken und Handeln in der Gesellschaft, in Unternehmen, in Institutionen und Organisationen. Auf dem Weg zur Chancengleichheit wurden in den letzten 100 Jahren dennoch wichtige Fortschritte erzielt. Es gibt keine rechtlichen Unterschiede mehr zwischen Männern und Frauen, die Unterschiede in den Bildungschancen zwischen Mädchen und Jungen sind viel geringer geworden, mehr Männer und Frauen sind in Positionen zu finden, die früher ausschließlich dem anderen Geschlecht vorbehalten waren, es ist selbstverständlich geworden, dass auch Frauen eigene Karrieren entwickeln und versuchen, finanziell unabhängig zu werden (Blokland 2019).

Für viele Frauen und Männer (nicht alle!), die in den letzten Jahren zu uns emigriert sind, ist der Weg der oben beschriebenen Emanzipation, wie wir sie in westlichen Gesellschaften verstehen, jedoch noch länger als der unsere und nicht immer selbstverständlich.

Von den 29 erwachsenen geflüchteten Frauen in den zwei Gemeinschaftsunterkünften gehen nur drei mehrere Stunden pro Woche einer bezahlten Arbeit nach. Zum Teil hat das auch mit ihrem rechtlichen Status zu tun: Sie dürfen teilweise nicht arbeiten, weil sie keine Arbeitserlaubnis bekommen (Siehe oben). Außerdem fehlen ihnen, wie im vorigen Kapitel beschrieben, die Qualifikationen und Kompetenzen, um in Deutschland einen Arbeitsplatz zu erhalten. Ein weiterer Grund ist teilweise die fehlende Kinderbetreuung.

Es hat aber auch etwas mit Rollenbildern zu tun. Nach Einschätzung mehrerer Befragter haben viele Frauen nicht den Anspruch, eine eigene Karriere zu machen, sei es in einem Beruf oder auch im Ehrenamt. Sie kümmern sich um die Kinder, haben ein Dach über dem Kopf, sind in Sicherheit, haben zu essen; damit ist das Hauptziel erreicht. Die Frauen sind, schreibt uns ein Sozialarbeiter, „zu weiten Teilen im traditionellen Rollenbild verhaftet, wonach die Beschaffung des Geldes Männersache ist. Wo dieser nicht vorhanden ist, wird diese Aufgabe an ‚Vater Staat‘ delegiert.“ Die Emanzipation der Frau, wie sie in der westlichen Welt zunehmend verstanden wird, ist im Werteverständnis vieler geflüchteter Frauen noch nicht angekommen. Und wenn diese Idee vorhanden ist oder sich aufgrund der hier gewonnenen Freiheiten entwickelt, kann das Vorhandensein eines Partners diese Emanzipation noch erschweren: oft möchten die Männer nicht, dass ihre Ehefrauen beruflich tätig sind. Manche Männer möchten nicht einmal, dass ihre Frau mit anderen Männern spricht oder in der Gemeinschaftsküche kocht, wenn sich dort Männer aufhalten.

Auch nach Einschätzung der Mitarbeiterinnen des Jobcenters sind die Frauen eine Gruppe, die besondere Unterstützung braucht. Sie sprechen häufig schlecht Deutsch, haben Angst vor der unbekannten Gesellschaft, in der sie jetzt leben, und vereinsamen zu Hause, auch wegen der Abwesenheit des Großfamilienverbands. Häufig müssen sie sich um alle Belange der Familie allein kümmern, da ihre Männer nicht dazu in der Lage sind oder aufgrund der Überforderung und des Statusverlustes im Zusammenhang mit der Migration in eine Depression verfallen. Manche sind so isoliert, eingeengt und überfordert, dass sie zuerst eine Therapie benötigen, bevor sie einer Arbeit zur Verfügung stehen können. Das Jobcenter bietet für alleinerziehende Frauen ein Zielcoaching an, um die Frauen zu vernetzen, aus der Isolation zu holen und auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Für Frauen mit schlechter Bleibeperspektive kommt dieses Coaching jedoch nicht in Frage.

Unterschiede gibt es selbstverständlich immer. Ein Stakeholder erzählte über „eine Mutter mit einem Kind im Teenageralter, die sich konsequent um eine Erwerbstätigkeit und die Schaffung einer von Transferleistungen unabhängigen Lebensperspektive bemüht, dies bei einer schlechten Bleibeperspektive. Auf der anderen Seite ist eine Dame zu beobachten, deren Kinder alle untergebracht sind, die Familie intensiv professionell unterstützt wird, die Mutter aber dennoch keinen Deutschkurs besucht, geschweige denn, sich um Arbeit bemüht. Dies vor dem Hintergrund einer gesicherten Bleibeperspektive.“

Ein weiterer erschwerender Aspekt ist die Kinderbetreuung, die nicht für alle Kinder gewährleistet ist. Manche Frauen verstecken sich hinter ihren Kindern, um nicht arbeiten zu müssen, wurde uns berichtet. Wieder andere würden gerne arbeiten oder mehr Deutsch lernen, können dies jedoch nicht, weil ihre Kinder keinen Kitaplatz haben und so den ganzen Tag zu Hause betreut werden müssen.

2.7 Ehrenamt

Die Geschichte des ehrenamtlichen Engagements für Geflüchtete in diesem Wohnort ist repräsentativ für die vieler anderer deutscher Gemeinden. Schon vor der Ankunft von Geflüchteten wurde im Herbst 2015 ein Verein gegründet, der sich für die Aufnahme und Integration von Geflüchteten einsetzt. Die ersten Aktivitäten bestanden in der Organisation von sehr gut besuchten Informationsveranstaltungen für die lokale Bevölkerung, bei denen versucht wurde, Akzeptanz und soziale Unterstützung für die Ankunft der Geflüchteten zu gewinnen. Nachdem die ersten Geflüchteten dann im Februar 2016 angekommen waren, engagierten sich die Ehrenamtlichen begeistert im Deutschunterricht, bei der Organisation von Begegnungen und Festen, bei der Sammlung und Verteilung von Kleidung und anderen Lebensnotwendigkeiten, in einer Fahrradwerkstatt und bei der persönlichen Betreuung im Alltag und im Umgang mit Behörden. Ein anderer schrieb mit Schülern des örtlichen Gymnasiums ein Deutschlehrbuch. Es wurden auch Patenschaften eingerichtet, bei denen die Freiwilligen entscheiden konnten, um welche Person oder Familie sie sich kümmern würden. Dadurch entstanden Ungleichheiten zwischen den Geflüchteten: Einige hatten keinen Paten oder keine Patin, andere schon; einige Freiwillige gingen auch viel weiter in der Hilfe, die sie anboten, als andere, oder waren auch fähiger, Hilfe anzubieten. Es gab auch Lieblingsgeflüchtete die gerne unterstützt würden. Für die Problemfälle gab es weniger Hilfsbereitschaft.

Zu Beginn hatte der Verein bis zu 120 aktive Mitglieder. Inzwischen ist dieser Kreis der aktiven Mitglieder auf etwa 15 bis 20 Personen geschrumpft. Auch die finanziellen Beiträge der Mitglieder sind gesunken. Die Beteiligten sehen verschiedene Gründe für das nachlassende Engagement.

In erster Linie gibt es Symptome der Ermüdung und Desillusionierung. Die Menschen waren mit dem Ausmaß der Probleme überfordert. Und fünf Jahre Engagement sind auch eine lange Zeit. In diesem Zusammenhang wird auch beklagt, dass die Ehrenamtlichen weitgehend auf sich allein gestellt sind und zu wenig Unterstützung durch die kommunalen und staatlichen Institutionen erhalten. Auch die bürokratischen Hürden, die bei den Aktivitäten für die Geflüchteten überwunden werden müssen, rauben viel Energie und Begeisterung.

Darüber hinaus gab es auch Enttäuschungen. Vielleicht hat man eine gedeihlichere und erfolgreichere Integration erwartet, vielleicht waren die Erwartungen an die Geflüchteten zu hoch. Die Tatsache, dass viele immer noch nicht oder nur eingeschränkt Deutsch sprechen und einige die ihnen gebotenen Möglichkeiten, z. B. im Arbeitsumfeld, nicht schätzen und nutzen, trug nicht zu einer nachhaltigen Begeisterung bei. Eine Freiwillige erzählte, dass sie mehrmals in der Sammelunterkunft war, um mit den Frauen (nicht mit den Männern) die Gemeinschaftsbereiche (Küche, Bad, Versammlungsraum) zu reinigen. Anstatt diese Art der Reinigung danach untereinander zu organisieren, haben sie die Freiwillige gefragt, wann sie zurückkommt.

Darüber hinaus sind gegenseitige Irritationen und Konflikte entstanden, die zum Teil aus unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen zur Integration resultieren. Ein weiterer Streitpunkt war die Frage, ob man sich politisch positionieren sollte, insbesondere gegenüber der AfD. Die Meinungsverschiedenheiten mit den direkt verantwortlichen Sozialarbeiter*innen sind sicherlich groß geworden.

Schließlich hat Corona es natürlich oft unmöglich gemacht, Leute zu treffen. Doch diese Begegnungen, im organisierten und unorganisierten Kontext, sind das Lebenselixier der Flüchtlingsarbeit. Die Hoffnung ist aber, dass in Zukunft das Engagement durch erneute Begegnungen wiederbelebt werden kann.

Beide Sozialarbeiter*innen sehen ein gestörtes Verhältnis zu den Ehrenamtlichen und bedauern dies sehr. Für eine erfolgreiche Integration sind die Aktivitäten und Bemühungen der Freiwilligen unerlässlich. Wie Untersuchungen u. a. in Schweden zeigen (OECD 2014b), sind Kontakte unabdingbar, um einen Arbeitsplatz zu bekommen. Die Ehrenamtlichen haben dieses Netzwerk. Darüber hinaus können Freiwillige bei der Erleichterung der sozialen Integration von großem Wert sein, indem sie wiederum ihre Netzwerke für Neuankömmlinge zur Verfügung stellen. Und natürlich können Neuankömmlinge ihre deutschen Sprachkenntnisse nur dann entwickeln, wenn sie auch die Möglichkeit haben, ihr Deutsch anzuwenden und auszubauen.

Mehrere Fachleute wiesen jedoch auch darauf hin, dass Ehrenamtliche die Integration erschweren können, indem sie Migranten von ihrer Hilfe abhängig machen. Gerade in der Anfangszeit war die Beteiligung von vielen sehr groß und tiefgreifend. Die Geflüchteten wurden nach Eisenhüttenstadt zum BAMF gefahren, zum Arzt und sogar zum Einkaufen in Berlin. Sie erhielten Unterstützung bei Behördengängen und dem Ausfüllen von Anträgen. Die Arzttermine aller Bewohner*innen standen im Büro einer der Sammelunterkünfte in einem Kalender und die Geflüchteten wurden daran erinnert. Ein Sozialarbeiter berichtet, dass die Ehrenamtlichen morgen Schlange standen, um die Geflüchteten zu ihren Terminen oder zum Einkaufen zu fahren. Dieses Vorgehen ist aber kontraproduktiv. Anstatt Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, wurden teilweise Abhängigkeitsverhältnisse geschaffen und aufrechterhalten. Eine Expertin ging so weit, die Pandemie als Segen zu sehen, da die Geflüchteten nun regelmäßig gezwungen seien, (bürokratische) Probleme selbst zu lösen. Es stellte sich heraus, dass sie dazu oft besser in der Lage sind, als manche erwartet hatten.

Verschiedene Fachleute, z.B. vom Jobcenter, gaben zudem an, dass Ehrenamtliche nicht immer gut über die Gesetze und Vorschriften informiert sind und Geflüchtete regelmäßig falsch informieren. Falsche Erwartungen und Frustrationen sind die Folge. Die vom Jobcenter angebotenen Workshops zum Thema Ausländer- und Arbeitsrecht werden leider selten genutzt.  Ebenfalls bestätigt wurde, was bereits von den Sozialarbeiter*innen bemängelt wurde, nämlich dass die Ehrenamtlichen sich nicht immer mit den hauptamtlich Tätigen absprechen, was zu Reibungsverlusten und unnötiger Arbeit führe. Ehrenamtliche werden aktiv ohne sich mit den Sozialarbeiter*innen abzustimmen. Viele Informationen kommen nicht mehr an. Infolgedessen hat sich die Zusammenarbeit regelmäßig in Antagonismus verwandelt.

2.8 Verwaltung

Die formalen Zuständigkeiten für Migrations- und Integrationspolitik sind in Deutschland über alle föderalen Ebenen verteilt. Dies sorgt dafür, dass nicht nur Bürgerinnen und Bürger verwirrt sind, wer nun wofür verantwortlich ist. Selbst Verwaltungsmitarbeitende oder Bürgermeister sind sich nicht immer sicher, welche Aufgaben bei ihnen liegen. Im Zweifel bleiben sie passiv oder verweisen auf andere Ebenen“ (Schammann et al 2020: 5).

In Deutschland sind die Zuständigkeiten der verschiedenen politischen Ebenen – Bund, Bundesländer, Landkreise und Kommunen – durch das Grundgesetz geregelt. Im Bezug auf Asyl und Integration aber auch vielen anderen Arbeitsbereichen kann schnell der Überblick verloren gehen und der Eindruck entstehen, die Verantwortlichkeiten würden von den Akteuren hin und her geschoben. Dies wurde uns in Bezug auf die Arbeit mit Geflüchteten von unseren Interviewpartner*innen ebenfalls berichtet. Deshalb soll ein Einblick in die wichtigsten Zuständigkeiten gegeben werden.

Für die Asylverfahren ist der Bund (§74 Absatz 1 Nr. 4 und 6 GG) zuständig. Anträge werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bearbeitet, das dem Innenministerium unterstellt ist. Das BAMF ist ebenfalls für die Integrationskurse und die Berufssprachkurse zuständig, die vom Bund finanziert werden und nur Asylbewerbern mit guter Bleibeperspektive zustehen, die wiederum verpflichtet sind, daran teilzunehmen. Über das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) regelt der Bund weiterhin den Zugang zu Sozialleistungen und Gesundheitsversorgung. Zuständig ist hier das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die hier angelegte Spannung zwischen einem wohlfahrtstaatlichen und einem ordnungsrechtlichen Ansatz setzt sich bis auf die Ebene der Länder und Kommunen fort.

Die Bundesländer übernehmen über die Ausländerbehörden hauptsächlich die Migrationsverwaltung, sind für die Unterbringung der Asylbewerber zuständig und können humanitäre Aufenthaltstitel vergeben. Auch die Umsetzung des AsylbLG hat der Bund an die Länder delegiert. Dafür erhalten die Bundesländer seit 2016 eine Pauschale von 670 Euro pro Asylbewerber. In der Praxis werden die unterschiedlichen Aufgaben dann häufig an die Kreise und Kommunen weiterdelegiert, wo die tatsächliche Integration stattfindet. Da sie grundsätzlich über große Handlungsspielräume in den Bereichen Bildung, Kultur und Religion verfügen, können die Bundesländer auch integrationspolitische Schwerpunkte setzen.

Einige Bundesländer bieten Sprachkurse für Ausländer an, die (noch) nicht an einem Integrationskurs des Bundes teilnehmen konnten. In Brandenburg fördert das Sozialministerium (MASGF) über das Programm „Deutschkurse für Flüchtlinge“ 600 Unterrichtseinheiten bis Niveau B2. Aufgrund von Personalmangel, Mangel an Räumen und die Pandemie wurden schon seit längerer Zeit keine Kurse in diesen Standort angeboten.

Kommunen müssen die durch Bund und Länder zu ihnen delegierten Aufgaben erfüllen. Grundsätzlichen wird zwischen Pflichtaufgaben und freiwilligen Aufgaben der Kommunen unterschieden. Pflichtaufgabe ist der Vollzug des Aufenthaltsrechts. Insbesondere nach Ablehnung eines Asylantrages entscheiden die kommunalen Ausländerbehörden über die Duldung, Abschiebehindernisse und können den Zugang zu Arbeit, Ausbildung und Studium verwehren, wenn der „Mitwirkungspflicht“ nicht nachgekommen wurde. Weitere Pflichtaufgabe der Kommunen ist die Umsetzung des AsylbLG. Wie auch in diesem Fall ist die Unterbringung der Geflüchteten besonders heikel. Durch das Land werden Mindeststandards vorgegeben und eine Pauschale gezahlt. Ob Eigenmittel eingebracht werden, ob die Geflüchteten zentral oder dezentral untergebracht werden, entscheidet die Kommune, in diesem Fall die Kreisverwaltung. Die Gemeinde muss geeignete Liegenschaften nennen. Weitere pflichtige Aufgaben bestehen nicht.

Aufgaben, die über die Verwaltung und Unterbringung hinaus gehen, also auf eine langfristige soziale und kulturelle Integration der Geflüchteten abzielen, wie Sprachkurse, Beratungsstellen für Migranten, Begegnungsprojekte und Koordinierungsstellen gehören zu den freiwilligen Aufgaben der Kommunen.[7] Hier wird auch das Spannungsfeld deutlich, das sich für die Kommunen als Orte, wo die eigentliche Integration stattfindet, ergibt. Das Asylrecht teilt Asylbewerber ein in Kandidaten mit guter und Kandidaten mit schlechter Bleibeperspektive. Wobei letztere formal keinen Zugang zu den staatlichen Integrationsangeboten haben. Faktisch verbleiben aber große Teile dieser Gruppe auch nach einem negativen Asylbescheid in Deutschland, also in den Kommunen oder Landkreisen, wo sie anfangs untergebracht waren.[8] Erfüllen Kommunen also nur ihre pflichtigen Aufgaben – vielleicht in dem Glauben, dass die Geflüchteten entweder das Land wieder verlassen oder in die Großstädte ziehen – werden sie nach einigen Jahren mit der Realität konfrontiert, dass in ihrer Gemeinde Menschen leben, die kein Deutsch sprechen, keine Arbeit haben und nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

3 Integration und Orientierung

Um festzustellen, in welchem Sinne und in welchem Ausmaß die “Integration” von Neuankömmlingen gelungen ist, muss zunächst definiert werden, was mit Integration gemeint ist. Genau darüber gibt es in den Sozialwissenschaften und auch in der Politik jedoch keine Einigkeit. Alternativ zu Integration wird auch der Begriff Assimilation verwendet, der auf die völlige Anpassung der Migrant*innen an die Aufnahmegesellschaft abzielt. Oft wird auch von Integration gesprochen, aber Assimilation gemeint. Eher multikulturell ausgerichtete Ansätze kritisieren dies und plädieren für die Aufrechterhaltung kultureller und ethnischer Besonderheiten insbesondere vor dem Hintergrund einer zunehmend komplexen Welt multipler Identitäten auch in der Ankunftsgesellschaft. Welcher Strömung auch immer der Vorzug gegeben wird, bei Integration geht es um die Teilhabe von Individuen am ökonomischen, kulturellen, sozialen und politischen Leben einer Gesellschaft. Wir verstehen Integration in diesem Bericht als einen Prozess, in dem Menschen zunehmend in der Lage sind, ihrem eigenen Leben eigenständig Inhalt und Richtung zu geben sowie am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Diesem Verständnis von Integration liegt der Wert der Autonomie oder Selbstbestimmung zugrunde. Eine wichtige Voraussetzung für die Verwirklichung dieses Wertes ist, dass die Menschen vollständig und ohne ständige Hilfe von Dritten am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Um dies zu erreichen, erwartet unsere Gesellschaft unter anderem bezahlte oder unbezahlte Arbeit, ein Mindesteinkommen und ein Minimum an Fähigkeiten oder Kompetenzen, die es ermöglichen, Tätigkeiten zu entwickeln, die in der Gesellschaft geschätzt werden. Um sich mit der Gesellschaft austauschen zu können, um eine soziale Tätigkeit zu entfalten, muss man selbstverständlich auch die Sprache beherrschen.

Darüber hinaus ist eine Werteorientierung erforderlich. Um Selbstbestimmung zu verwirklichen, und das gilt für alle Menschen, muss man in der Lage sein, die Werte und Erwartungen zu reflektieren, die man in seiner Sozialisation mitbekommen hat: Was sind diese Werte, inwieweit wähle ich sie selbst? Migranten aus anderen Kulturen, die andere Sozialisationsprozesse hinter sich und eine Kultur mit möglicherweise teilweise anderen Werten und Erwartungen vor sich haben, erfahren ein noch größeres Bedürfnis, sich neu zu orientieren, als Einheimische. Ohne diese Orientierung kann es zu Gefühlen der Verwirrung und des Identitätsverlustes, zu Reibungen mit der Aufnahmegesellschaft und zu Tendenzen der Isolation, Abwendung und Radikalisierung kommen.

Wenn Integration auf diese Weise definiert wird, muss die Integration vieler im Moment als weitgehend gescheitert angesehen werden. Viele Menschen sind nicht oder nur geringfügig in der Lage, an der Gesellschaft teilzunehmen und machen keine großen Fortschritte bei der Vorbereitung auf eine solche Teilhabe. Sie sprechen die Sprache nicht oder nur sehr mangelhaft, haben keine oder nur sehr eingeschränkte berufliche Qualifikationen, sind nicht oder nur geringfügig beschäftigt, haben keine würdige Unterkunft, sind stark von der Außenwelt abgeschottet und haben keine klaren Perspektiven.

Die Situation vieler Geflüchteten in diesem Wohnort wurde von einigen Befragten als ein Vakuum beschrieben. Es ist unklar, wo man steht, was die Erwartungen des Umfeldes sind, was die Perspektive sind. Es gibt keinen Plan, keine Orientierung, keine Verantwortung. Manchmal ist ein Leerraum, eine Kultur der Unverbindlichkeit, entstanden.

Freiwillige Helfer trugen ungewollt maßgeblich dazu bei. Mit den besten Absichten wollten sie sich für die Geflüchteten einsetzen, aber das führte regelmäßig zu Selbstverständlichkeiten und Unverbindlichkeiten, die den Geflüchteten auf Dauer nicht geholfen haben und sie auch als Gruppe anfällig für rechtspopulistische und fremdenfeindliche Angriffe gemacht haben. Auch bei den Freiwilligen hat sich ein Vakuum aufgetan. Auf die Frage, was nun mit den Geflüchteten passieren wird oder soll, werfen einige verzweifelt die Arme in die Höhe: „Das ist die große Frage, ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, das übersteigt meine Vorstellungskraft.“ Man hat den Eindruck, dass auch die Verantwortlichen in der Verwaltung nicht mehr weiterwissen.

4 Ausblick

Die Integration von Flüchtlingen ist in hohem Maße von der Zusammenarbeit verschiedener staatlicher und gesellschaftlicher Akteure abhängig. Um diese Zusammenarbeit erfolgreich zu gestalten, sind Kommunikation und Koordination erforderlich. Wünschenswert ist weiter eine tragfähige Übereinstimmung hinsichtlich der angestrebten Ziele und der dazu von welchen Parteien eingesetzten Instrumente.

Die Kommunikation und Koordination zwischen den Beteiligten sind derzeit in dem untersuchten Standort mangelhaft. Dies führt zu Ineffizienz, unzureichender Nutzung der vorhandenen Ressourcen, unklaren Verantwortlichkeiten, Frustrationen, Missverständnissen, Misstrauen, Konflikten und Stagnation. Oft arbeiten die Menschen nicht mehr miteinander, sondern gegeneinander. Die Wiederherstellung einer offenen Kommunikation scheint ein erster notwendiger Schritt zu sein, um die Koordination zu verbessern und die Stagnation zu durchbrechen. Im Anschluss an unsere explorative Evaluation traten wir in einen Prozess mit allen Stakeholdern ein, um diese Kommunikation und Koordination zu verbessern. Über diesen Vorgang werden wir später noch berichten.

Bezüglich der Kommunikation ist weiterhin nicht ausreichend bekannt, wer die Geflüchteten genau sind. Woher kommen sie, welche Fähigkeiten haben sie, wonach streben sie, sind ihre Ziele erreichbar, welche Unterstützung brauchen sie, um diese Ziele zu realisieren? Einer der Grundpfeiler der Integration ist neben dem Spracherwerb die Aufnahme einer bezahlten oder auch unbezahlten Arbeit. Es ist daher von großer Bedeutung, genau zu erfassen, welche Qualifikationen, Kompetenzen und Fähigkeiten die betreffenden Personen mitbringen. Es ist dann zu prüfen, ob die Betroffenen auf dieser Grundlage die Aussicht auf wirtschaftliche Selbstständigkeit in Deutschland haben und ob ggf. eine Unterstützung zur Erhöhung ihrer Qualifikationen, Kompetenzen und Fähigkeiten erforderlich ist.

Eine Möglichkeit ist es, mit jedem/r einzelnen Geflüchteten einen Plan für die Zukunft zu erstellen und jeweils eine persönliche Akte anzulegen. Was können sie tun, was wollen sie, was brauchen sie, um ihr Ziel zu erreichen? Ein solcher Plan sollte in Absprache mit der betroffenen Person erstellt werden, und alle Parteien sollten sich dann darauf festlegen: Die betroffene Person erhält Hilfe, um bestimmte Ziele zu erreichen, aber nur unter der Bedingung, dass sie auch die notwendigen Anstrengungen unternimmt.[9]

Wie geschrieben (§2.2), ist es die Aufgabe des Jobcenters, Informationen über Qualifikationen und Kompetenzen zu sammeln, aber dies geschieht nur bei Geflüchteten mit guter Bleibeperspektive bzw. nach Abschluss des Asylverfahrens. Für viele Menschen, sicherlich für die Hunderttausenden, die in derartigen Übergangswohnheimen leben, ist es daher so, dass keine Informationen über ihre Hintergründe bekannt sind. Und wo Informationen gesammelt wurden, werden sie aus Gründen des Datenschutzes nicht weitergegeben. Infolgedessen kann sich die Hilfe vor Ort nur auf Zufälligkeiten beruhen und bleibt die Hilfe unkoordiniert und ohne klare Ziele. Es gibt keinen Plan.

Der Gruppe der Frauen sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sie sind aufgrund der traditionellen Rollenvorstellungen schwerer zu integrieren und haben gleichzeitig aufgrund der ihnen zugeschriebenen Zuständigkeit für den Familienzusammenhalt mit einer großen Belastung zu kämpfen. Sie müssen sich häufig sowohl um ihre Kinder als auch um ihre Männer kümmern. Viele von ihnen sind psychisch labil. Sie leiden unter dem Stress in dem Übergangsheim oder vereinsamen zu Hause. Hier muss mit niedrigschwelligen Angeboten angefangen werden, den Spracherwerb zu fördern und sie zu Aktivitäten außerhalb ihrer Wohnungen einzuladen.

Wiederum als Unterstützung der geflüchteten Frauen aber vor allem mit Blick auf das Kindeswohl und die Integration der nachwachsenden Generation sollte es höchste Priorität sein, alle Kinder schnellstmöglich in einer Kita unterzubringen. Das dient nicht nur der Entlastung der Mütter und Väter, sondern dem Wohl und den Chancen der Kinder. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass die Kinder ihre Tage in der Tristesse und Enge der Container verbringen. In den Zimmern sind teilweise die Vorhänge zugezogen, die Kinder kommen nicht regelmäßig an die frische Luft, sie lernen kein Deutsch und haben keinen Kontakt zu deutschen Kindern.

Es ist verlockend, sich hauptsächlich oder ausschließlich auf die Kinder der Geflüchteten zu konzentrieren und auf die Eltern oder die ältere Generation mehr oder weniger zu verzichten. Das Problem mit dieser Position ist, dass die Erwachsenen, mit Ausnahmen, relativ jung sind. Mit einem Durchschnittsalter von vielleicht 30 Jahren werden sie noch ein halbes Jahrhundert lang Teil der deutschen Gesellschaft sein. Dies ist eine lange Zeit. Es wird eine übermäßige Anstrengung sowohl der Betroffenen als auch der deutschen Gesellschaft erfordern, um eine würdige Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Damit zusammenhangend scheint es sinnvoll zu sein, Geflüchteten klarer über ihre Lage zu informieren. Es muss deutlich gemacht werden, dass die Integration große Anstrengungen erfordert. Nachhaltige Unterstützung kann nur erwartet werden, wenn die Bereitschaft besteht, diese Anstrengungen zu unternehmen.

In einer Hochleistungsgesellschaft wie der unsrigen ist die Integration über Bildung und Arbeit der Königsweg. Es gibt aber eine Gruppe von Geflüchteten, die aufgrund ihren schlechten Vorqualifizierung und/oder niedrigen intrinsischen Motivation schlechte bis keine Chancen haben, sich auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren und in Folge eine eigene Wohnung zu beziehen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Wenn es sich darüber hinaus um Geflüchtete mit einem Duldungsstatus handelt, besteht die Gefahr, dass diese Menschen als ‚Duldungsschläfer’ Jahre in den Gemeinschaftsunterkünften verbringen während denen der Traum von einem besseren Leben immer surrealer wird.[10] Die Folgen sind häufig Depressionen, Aggressionen, Zynismus, Kriminalität oder auch das Abrutschen in die Radikalität. Anstatt falsche Hoffnungen zu machen oder diese Menschen zu ignorieren, sollten wir sie über ihre Chancen auf eine Integration in Deutschland offen und unmissverständlich aufklären und die Möglichkeit einer freiwilligen würdevollen Rückkehr als Ausweg aus der Sackgasse anbieten. Das erscheint viel humaner, als die Betroffenen jahrzehntelang relativ aussichtslos am unteren Ende der deutschen Gesellschaft baumeln zu lassen.

In der Kommunikation nach außen sollte man Probleme im Zusammenhang mit Migration und Integration benennen. Es gibt Probleme. Es sind Fehler gemacht worden. Dieser Problembereich muss zielgerichtet angegangen werden. Wenn man Probleme nicht offensiv diskutiert überlässt man Rechtspopulisten das Spielfeld und bietet ihnen die Möglichkeit, sich als die Verkünder und Verteidiger der Wahrheit zu präsentieren.

Literatur

Aumüller, Jutta und Frank Gesemann. 2016. Flüchtlinge aufs Land? Migration und Integration im ländlichen Raum. Bundeszentrale für politische Bildung. Aus Politik und Zeitgeschichte (APUZ 46-47/2016).

Blokland, Hans. 2017. Revitalizing Brandenburg: Neue Menschen und internetbasierte Unternehmen in ländlichen Regionen. Potsdam: Social Science Works.

Blokland, 2018. Wie deliberiert man fundamentale Werte? Ein Bericht aus Brandenburg über unsere Ansätze, Herangehensweisen und Erfahrungen. Potsdam: Social Science Works.

Blokland, Hans. 2019. Was will eine Frau eigentlich? On discussing Gender Equality in Germany. Potsdam: Social Science Works.

Bittner, Jochem. 2016a. Flüchtlinge auf die Dörfer! Zeit Online. 4 Februar 2016.

Bittner, Jochem. 2016b. Und wieder wird Europa nicht vorbereitet sein. Zeit Online. 15 September 2016.

Dustmann, Christian et al. 2016. On the Economics and Politics of Refugee Migration. Bonn: Institute for the Study of Labor. IZA DEP No.10234, pp.25-8.

Jentsch, Birgit. 2007. Migrant Integration in Rural and Urban Areas of New Settlement Countries. International Journal on Multicultural Societies (IJMS) Vol. 9, No. 1, 2007.

Land Brandenburg. 2020. Menschen mit Migrationshintergrund, Ausländische Bevölkerung, Flüchtlinge und Asylsuchende, Stand Juni 2020.

Mallaby, Sebastian. 2015. How to understand the economic impact of migration. Foreign Affairs. September 2015.

Organisation for Economic Co-operation and Development. 2014a. Is Migration good for the economy? Migration Policy Debates. May 2014.

Organisation for Economic Co-operation and Development. 2014b. Finding the Way: A Discussion of the Swedish Migrant Integration System. International Migration Division. Directorate for Employment, Labour and Social Affairs.

Robinson, lee and Anita Käppeli. 2018. Policies, Outcomes, and Populism: The Integration of Migrants in Sweden. Center for Global Development.

Rogers, Thomas. 2021. Welcome to Germany. The New York Review of Books, Vol. LXVIII, No. 7, April 29, 2021.

Schammann, Hannes, Petra Bendel, Sandra Müller, Franziska Ziegler, Tobias Wittchen. 2020. Zwei Welten? Integrationspolitik in Stadt und Land. Robert Bosch Stiftung.

Anmerkungen

[1] https://mediendienst-integration.de/migration/flucht-asyl/zahl-der-fluechtlinge.html. Geduldet sind Personen, die verpflichtet sind, das Bundesgebiet zu verlassen, aber dies aus tatsächlichen, rechtlichen, dringenden humanitären oder persönlichen Gründen nicht können. Es wird also vorübergehend davon abgesehen, die Ausreisepflicht mit dem Zwangsmittel der Abschiebung durchzusetzen. Ein rechtlicher Grund liegt vor, wenn aufgrund der Sicherheitslage im Herkunftsland ein offizieller Abschiebestopp besteht. Dies ist zum Beispiel bei Irak und Afghanistan oft der Fall. Auch das Fehlen von Pass oder Reisedokumenten kann ein Duldungsgrund sein. Menschen die eine Ausbildung angefangen haben, können ebenfalls eine Duldung bekommen.

https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/233846/definition-fuer-duldung-und-verbundene-rechte; https://www.proasyl.de/hintergrund/was-ist-eigentlich-eine-duldung/

[2] https://mediendienst-integration.de/migration/flucht-asyl/asylrecht.html#c1377; https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/; https://www.bamf.de/DE/Themen/Statistik/Asylzahlen/asylzahlen-node.html

[3] Rogers (2021) schreibt: “While about half of the migrants from Syria had a secondary education, many of those from Eritrea and Iraq were illiterate. It’s likely that many of the latter won’t enter the workforce for years… Some of the female migrants came from regions in which women were discouraged from entering the job market, creating additional hurdles. According to figures from the Institute for Employment Research (IAB), employment numbers are starkly divided by gender, as only 29 percent of women from the influx are employed, compared to 57 percent of men.”

[4] https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsmarkt/Infos-fuer-Asylsuchende/arbeitsmarktzugang-asylbewerber-geduldete.html

[5] Alle Personen zwischen 20 und 64 Jahren, die eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben, haben zum Beispiel in Schweden Anspruch auf ein Einführungsprogramm (Robinson und Käppeli 2018; OECD 2014). Dieser Zweijahresplan wird von der öffentlichen Arbeitsverwaltung koordiniert. Es beginnt mit einem Interview, um die Erfahrungen, die Ausbildung und die Ambitionen des Begünstigten zu beurteilen. Zusammen mit den familiären Umständen und der Gesundheit bilden diese die Grundlage für den Plan. Dieser besteht aus drei Hauptaktivitäten, mit denen die Teilnehmer*innen 40 Stunden pro Woche beschäftigt sind: das Erlernen der Schwedische Sprache, das Erlernen eines Grundwissens über die schwedische Gesellschaft, und Beschäftigungsvorbereitung, einschließlich des Sammelns von Arbeitserfahrung.

[6] Zu den Variablen, die die Unbestimmtheit dieses Spiels bestimmen, gehören nach der Meinung eines Stakeholders: „Unwägbarkeiten der Verwaltung; schlecht arbeitende Anwälte, oder solche, die die Arbeit wegen Nichtbezahlung eingestellt haben; Abrisse in der Kommunikation; Schlecht koordinierte Hilfeprozesse; Fehlende Mitwirkung der Betroffenen; Überlastete Gerichte; Unrealistische Erwartungen, die nicht angepasst werden; und Wohnraumsituation.“

[7] „Persönliches Engagement von Schlüsselpersonen und lokale Narrative bzw. Frames [spielen] eine wichtige Rolle“ bei der Frage, inwieweit die lokalen Behörden diese Aufgaben übernehmen, ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter einer großen Anzahl von Kommunen. Schammann et al. Ibid.

[8] Aufgrund der Wohnsitzauflage können Ausreisepflichtige oder Geduldete ihren Wohnsitz nicht frei wählen. Während Migrant*innen mit einem Aufenthaltstitel entscheiden können, wo sie wohnen möchten.

[9] In den Niederlanden führen Statusinhaber Einzelgespräche (insgesamt 11 Stunden) mit ihrem “Case Manager” der ihnen hilft, über ihre Zukunftspläne und die Schritte nachzudenken, die sie sofort unternehmen können. Gemeinsam wird eine “persönliche Informationsdatei” mit Informationen u.a. über Ausbildung, Berufserfahrung und Netzwerk erstellt. Statusinhaber können ihre Datei mit der Stadtverwaltung oder einem Ausbildungsinstitut teilen und sie bei der Arbeitssuche verwenden. (Die Datei finden Sie hier: https://www.coa.nl/sites/default/files/2019-11/Voorbeeld%20persoonlijk%20informatiedossier%20statushouder_0.pdf)  In der Gemeinde wo die Geflüchtete Unterkunft bekommen wird danach ein “digitales Kundenprofil” erstellt (Ein Beispiel finden Sie hier: https://www.coa.nl/sites/default/files/2019-11/Fictief%20klantprofiel%20statushouder.pdf). Des Weiteren muss ein Asylbewerber mit einer Aufenthaltserlaubnis innerhalb von drei Jahren eine Integrationsprüfung ablegen. Diese Prüfung besteht aus Lesen, Hören, Sprechen und Schreiben auf Niederländisch. Die Prüfung testet auch Kenntnisse über die niederländische Gesellschaft und den Arbeitsmarkt. Zum Beispiel müssen Neuankömmlinge wissen, wie sie Arbeit finden, wie sie einen Termin im Krankenhaus vereinbaren können und welche Schulen für ihre Kinder zur Verfügung stehen.

[10] Rogers (2021) schreibt zu recht: “The most precarious of the new arrivals remain those who had their requests for asylum denied but, for one reason or another, remain in the country. Activists argue that Germany’s biggest mistake in the crisis was likely the decision to withhold integration resources from rejected asylum-seekers and those with low likelihoods of having their refugee status approved—the latter largely being migrants from Afghanistan, Pakistan, and the Balkan countries. The approach was designed to concentrate resources on migrants who are likely to stay in the long term. But officials’ handling of deportations has instead created a half-settled population with fewer employment prospects and large obstacles to integration.”

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